Viele denken beim Auswendiglernen des Korans an Kinder in der Koranschule. Doch auch Erwachsene können Suren und Verse lernen, wenige Zeilen am Tag. Im Koran heißt es in der Sure al-Qamar (54:17): „Und Wir haben den Qur’an ja leicht zum Bedenken gemacht. Aber gibt es jemanden, der bedenkt?“ (Übersetzung: Bubenheim & Elyas). Und nach al-Bukhari sagte der Prophet ﷺ, die Besten unter euch seien die, die den Koran lernen und lehren.
Diese Tipps helfen dir, anzufangen und dranzubleiben.
Vor dem Anfang
1. Mit kurzen Suren beginnen
Fang mit al-Fatiha an, falls du sie noch nicht sicher kannst, dann mit den kurzen Suren vom Ende des Korans: an-Nas, al-Falaq, al-Ikhlas, al-Kauthar, al-Asr. Jede fertige Sure gibt dir Mut für die nächste. Danach passen bekannte längere Verse wie Ayat al-Kursi.
2. Eine feste Zeit, am besten nach einem Gebet
Zehn Minuten jeden Tag bringen mehr als eine Stunde am Wochenende. Viele lernen nach Fajr, wenn der Kopf frisch und das Haus still ist. Hängst du das Lernen an ein Gebet, vergisst du es seltener. Wie das mit anderen Gewohnheiten klappt, steht in Gewohnheiten rund ums Gebet.
3. Immer dieselbe Mushaf-Ausgabe
Wer stets aus derselben Ausgabe lernt, merkt sich nebenbei, wo ein Vers auf der Seite steht. Dieses Bild hilft später beim Abrufen.
Beim Lernen
4. Zuerst hören
Hör dir den Abschnitt mehrmals an, bevor du ihn selbst liest, möglichst immer vom selben Rezitator. So prägen sich Aussprache und Melodie ein, und du lernst keine Fehler mit, die du später mühsam korrigieren musst.
5. In Runden wiederholen
Nimm einen Vers. Lies ihn mehrmals mit Blick in den Text, dann mehrmals ohne. Erst wenn er sitzt, kommt der nächste. Danach sprich beide zusammen, dann drei, und so weiter. Diese Verkettung sorgt dafür, dass du nicht nur einzelne Verse kannst, sondern auch den Übergang.
6. Wörter verdecken und dich prüfen
Deck zuerst jedes zweite Wort ab, dann alles. Wo du hängen bleibst, schau kurz nach und beginn den Vers von vorn. Noch besser: Sag den Abschnitt jemandem auf, der mitliest. Abrufen festigt mehr als noch einmal lesen.
7. Die Bedeutung verstehen
Lies vorher die Übersetzung. Wer weiß, wovon ein Vers handelt, behält leichter, was nach was kommt, und betet später mit mehr Hinwendung. Was der Koran über sich selbst sagt, steht unter Koranverse über den Koran.
Danach
8. Altes wiederholen
Nach al-Bukhari und Muslim mahnte der Prophet ﷺ, den Koran immer wieder zu wiederholen: Er entwische dem Gedächtnis schneller als ein Kamel, das sich von seinem Strick losreißt. Ein einfacher Plan: täglich ein kleines neues Stück, dazu das, was du in der letzten Woche gelernt hast, und ein älteres Stück. Am leichtesten wiederholst du im Gebet selbst. Lies deine neuen Suren in den Sunna-Gebeten.
9. Ein Lehrer für Tajwid
Der Koran wird seit jeher von Mund zu Mund weitergegeben. Ein Lehrer hört Fehler in der Aussprache, die du selbst nicht bemerkst und die keine Aufnahme korrigieren kann. Viele Moscheen bieten Kurse für Erwachsene an, oft auch für Anfänger.
Wenn es stockt
Es gibt Wochen, in denen kaum etwas hängen bleibt. Nach al-Bukhari und Muslim ist, wer den Koran gekonnt liest, bei den edlen Engeln, und wer stockt und sich damit schwertut, bekommt doppelten Lohn. Mühe ist also kein Zeichen, dass du es nicht kannst. Lieber einen Vers weniger als einen Tag gar nicht.
In der App Nur
Im Tab „Verse“ von Nur gibt es zu jedem Vers dort einen Lernmodus, mit der Rezitation von Mishary Rashid Alafasy. Du wiederholst einen Vers 1-, 3-, 5- oder 10-mal, stellst das Tempo auf 0,75× und verdeckst jedes zweite Wort oder alles. Das gerade gelesene Wort leuchtet mit, und wenn du auf ein Wort tippst, hörst du es einzeln. Kannst du den Vers, markierst du ihn als gelernt. Unter Reise siehst du, wie weit du bei jedem Vers bist. Nur kostenlos laden.