Al-Kahf, „die Höhle“, ist die 18. Sure des Korans. Viele Muslime lesen sie jeden Freitag. Hier steht, warum, wovon sie erzählt und wie du sie in deinen Tag einbaust.
Warum am Freitag?
Nach Überlieferungen bei al-Hakim und al-Bayhaqi leuchtet demjenigen, der die Sure Al-Kahf am Freitag liest, ein Licht zwischen den beiden Freitagen. Über die Überlieferungsketten wurde unter Gelehrten diskutiert; eine Reihe von ihnen, darunter al-Albani, stuft sie als authentisch ein. Das Lesen am Freitag ist deshalb eine verbreitete Sunna, keine Pflicht.
Mehr zur Sunna des Freitags steht im Artikel über Jumu’ah, das Freitagsgebet.
Die ersten zehn Verse und der Dajjal
Nach einer Überlieferung in Sahih Muslim ist vor dem Dajjal geschützt, wer die ersten zehn Verse der Sure Al-Kahf auswendig kann; in einer anderen Version bei Muslim sind es die letzten zehn. Viele lernen deshalb den Anfang der Sure auswendig.
Die vier Geschichten
Al-Kahf erzählt vier Geschichten. Häufig werden sie als vier Prüfungen gelesen: des Glaubens, des Besitzes, des Wissens und der Macht.
Die Leute der Höhle. Junge Gläubige fliehen vor einem Volk, das ihnen ihren Glauben nicht lassen will, und suchen Zuflucht in einer Höhle. Dort bitten sie: „Unser Herr, gib uns Barmherzigkeit von Dir aus, und bereite uns in unserer Angelegenheit einen rechten (Aus)weg.“ (18:10) Allah lässt sie viele Jahre schlafen, und sie erwachen in einer veränderten Welt.
Der Besitzer der zwei Gärten. Ein Mann ist so stolz auf seine Gärten, dass er glaubt, sie würden nie vergehen. Sein Gefährte erinnert ihn an Allah, vergeblich. Die Gärten werden zerstört, und seine Reue kommt zu spät. Kurz darauf heißt es:
Der Besitz und die Söhne sind der Schmuck des diesseitigen Lebens. Das Bleibende aber, die rechtschaffenen Werke -, sie sind bei deinem Herrn besser hinsichtlich der Belohnung und besser hinsichtlich der Hoffnung. (18:46)
Musa und al-Khidr. Musa (Friede sei mit ihm) reist zu einem Diener Allahs, dem besonderes Wissen gegeben wurde, und will von ihm lernen. Er erlebt drei Dinge, die ihm falsch erscheinen: ein beschädigtes Boot, den Tod eines Jungen, eine Mauer, die ohne Lohn wieder aufgebaut wird. Erst am Ende erfährt er die Weisheit dahinter. Die Geschichte lehrt Demut: Unser Wissen hat Grenzen.
Dhul-Qarnayn. Ein mächtiger Herrscher, dem Allah Mittel und Wege gab, reist bis an den Westen und den Osten der Erde. Für ein bedrängtes Volk baut er einen Wall gegen Yajuj und Majuj und nennt ihn eine Barmherzigkeit seines Herrn. Seine Macht macht ihn nicht hochmütig.
Übersetzung: Bubenheim & Elyas. Weitere Verse aus Al-Kahf findest du unter Koranverse über den Koran.
Wann beginnt der Freitag?
Im islamischen Kalender beginnt der Tag mit dem Sonnenuntergang, nicht um Mitternacht (mehr dazu im islamischen Kalender). Nach der verbreiteten Auffassung kannst du Al-Kahf deshalb ab Maghrib am Donnerstagabend bis Maghrib am Freitag lesen. Die Maghrib-Zeit für deine Stadt steht auf den Stadtseiten, zum Beispiel für Berlin oder Köln.
So klappt es
- Plane Zeit ein. Die Sure hat 110 Verse, im üblichen Mushaf rund zwölf Seiten. Je nach Lesetempo brauchst du etwa 45 bis 60 Minuten.
- Teile sie auf. Ein Teil am Donnerstagabend nach Maghrib, einer nach Fajr, der Rest nach dem Freitagsgebet.
- Lies mit Übersetzung. Die Geschichten berühren mehr, wenn du sie verstehst: erst den arabischen Text, dann die Bedeutung, Abschnitt für Abschnitt.
- Hör eine Rezitation. Mitlesen mit einer Rezitation hilft bei der Aussprache und beim Tempo. Ob reines Zuhören dem Lesen gleichkommt, sehen Gelehrte unterschiedlich; als Begleitung ist es auf jeden Fall eine Hilfe.
- Fang an, wo du stehst. Wenn die ganze Sure noch zu viel ist, beginne mit den ersten zehn Versen und steigere dich von Woche zu Woche.
In der App Nur
Freitags zeigt der Vers-Tab von Nur eine Karte aus Al-Kahf, jede Woche eine andere, mit Rezitation und Übersetzung. Die Gewohnheit „Surat al-Kahf“ erscheint nur freitags; du hängst sie an ein Gebet und hakst sie ab, sobald du fertig bist. Nur kostenlos laden.